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Vollgas in eine saubere Mobilität

Mobilität umweltverträglich zu gestalten, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Als probates Mittel zu diesem Zweck gilt das Elektroauto. Doch der Durchbruch der „Stromer“ lässt weiter auf sich warten. Dieses Problem soll nun möglichst verstärkte Förderung durch den Staat lösen, fordert die Branche. Dabei wird allerdings übersehen, dass mit den Erdgasautos bereits eine ausgereifte Alternative zu den elektrisch angetriebenen Wagen zur Verfügung steht. Darüber hinaus verspricht jetzt eine innovative Technologie, die sich schon im Einsatz befindet, das Elektroauto auszukurven: Power-to-Gas heißt diese Lösung mit Zukunft.

Stattdessen werden derzeit jedoch die Diskussionen über die Förderung von Elektroautos weiter fortgesetzt. Forciert wird diese Auseinandersetzung durch die Beschlüsse der jüngsten Weltklimakonferenz in Paris, welche die Notwendigkeit der Reduktion von CO2-Emissionen erneut hervorhob. Das betrifft nicht zuletzt den Verkehrsbereich. Zudem ist das Thema Feinstaubbelastung durch die Ermittlungen gegen Volkswagen wieder verstärkt in den öffentlichen Fokus gelangt. Doch in deutlich steigenden Verkaufszahlen bei den Elektrofahrzeugen schlägt sich dieses Umweltbewusstsein nicht nieder.

Tatsächlich scheint der Durchbruch der Elektrogeneration im Gegenteil noch weit entfernt. Ihn bremsen insbesondere drei Probleme: ein viel zu dünnes Tankstellennetz, der hohe Anschaffungspreis der Stromer sowie last, but not least deren derzeit noch zu schwache und zu teure Batterien. Und die langen Ladezeiten der Energiespeicher tragen auch nicht gerade dazu bei, Elektroautos attraktiver zu machen.

Jetzt soll abermals der Staat die Akzeptanzprobleme der Elektromobilität lösen. Getreu einer längst überholten Devise heißt es: Man muss die Elektroautos durch Subventionen nur billig genug machen, dann werden sie schon gekauft. Als wenn dadurch die Nachteile der Elektrofahrzeuge beseitigt wären. Von den Forderungen der Automobilhersteller, die Nachfrage durch finanzielle Anreize aus dem Steuersäckel anzukurbeln, zeigt sich der Bundesfinanzminister bislang allerdings noch wenig beeindruckt. Treffende Begründung: Es ist Aufgabe von Unternehmen, ihre Technologie marktreif zu gestalten. Wie sollte auch der Staat bei dem schwerwiegenden Batterieproblem helfen?

Zum Vorteil für Umwelt und Autofahrer gibt es jedoch eine Alternative zum ewigen Ladenhüter Elektroauto, die bislang nur noch nicht angemessen wahrgenommen wird: die seit Jahren schon voll ausgereiften Erdgas-Autos. Sie bieten im Vergleich zu Benzinern und erst recht zu Dieselfahrzeugen einen beträchtlichen Umweltvorteil, kosten in der Anschaffung kaum mehr als konventionell angetriebene Fahrzeuge und sind außerdem auch für lange Strecken geeignet. Im Gegensatz zum City-Stromer lässt sich das Erdgasfahrzeug also auch für Geschäftsreisen oder Urlaubsfahrten problemlos nutzen.

Den Einwand, dass Erdgas ebenfalls zu den fossilen Brennstoffen gehöre, kontert ferner die innovative Power-to-Gas-Technologie. Mit ihr lässt sich überflüssiger Strom aus der Wind- und Sonnenenergieproduktion in die synthetischen Gase Wasserstoff und Methan umwandeln. Beide können in die Erdgasnetze und –speicher eingespeist, aber auch ergänzend bzw. alternativ zu Erdgas in den Tanks von Autos eingesetzt werden, wo sie quasi als erneuerbare Energie für den gewohnten Mobilitätskomfort sorgen.

Auch das Tankstellennetz für Gas steht im Gegensatz zu den Elektrostationen nicht erst am Anfang. Im Gegenteil – die Zahl der Gastankstellen ließe sich sogar innerhalb kurzer Zeit so weit ausbauen, dass dieses Netz den lieb gewonnenen Tankgewohnheiten der Autofahrer Rechnung tragen könnte. Wie gewohnt: Ein kurzer Tankstopp und das Auto ist wieder mit Treibstoff für weitere lange Etappen gerüstet. Diesen großen Vorsprung des Gasantriebs muss das Elektroauto erst einmal aufholen.

Im Vergleich zum Diesel und Benziner wären die Umwelteffekte im Übrigen selbst dann noch enorm, wenn dabei für eine Übergangsphase zunächst noch stärker der fossile Brennstoff Erdgas verwendet würde. Und nicht zu vergessen: Ebenso Ladestationen für Elektroautos sind auch Gastankstellen über Versorgungsleitungen belieferbar, was Umweltkosten durch Tankertransporte, die für Benzin und Diesel notwendig sind, vermeidet.

Daraus folgt, dass es sinnvoller wäre, weniger krampfhaft weiter an Ideen festzuhalten, die nicht funktionieren, und stattdessen ernsthaft über ein Alternativszenario nachzudenken. Bevor sehenden Auges Steuergelder für die schlechtere Lösung ausgegeben werden, sollte die Energiewende von ideologischen Fesseln befreit werden. Pragmatische Ansätze könnten ihr vielmehr endlich Flügel verleihen. Einer umfassenden Verbreitung des Gas-Autos die Straße freizumachen, wäre in dieser Hinsicht ein Volltreffer.                                                                           Markus Wild

Foto: Overlaet/ Wikimedia Commens

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