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Tierexperimente in der Kritik

Mit viel Zorn fielen im 19. Jahrhundert die Gegner der Universitätsmedizin über die Tierexperimente her. Ihr aktivster Vertreter war der Reiseschriftsteller Ernst von Weber (1830-1902) mit seinem Buch Die Folterkammern der Wissenschaft. Weber gründete in Dresden den „Internationalen Verein zur Bekämpfung der wissenschaftlichen Thierfolter“, der große Wirksamkeit entfaltete. Von den 900 Mitgliedern des Vereins im Jahr 1888 zählte fast ein Viertel zum Adel, ein Drittel waren Frauen. Weber fand auch Unterstützung bei bekannten Persönlichkeiten aus Politik und Kultur wie dem Komponisten Richard Wagner Die öffentliche Kritik versuchten einige medizinische Wissenschaftler der Universität abzuwehren. Der Physiologe Carl Ludwig etwa war selbst Mitglied des Leipziger Tierschutzvereins, verteidigte aber in Vorträgen die Experimente.

Wer verstehen will, welche Gegner die Medizin hatte, und wer einen Einblick in die medizinische Forschung in Leipzig erhalten möchte, kann dies noch bis zum 21. Oktober tun, denn so lange läuft die aktuelle Ausstellung „Labor und Klinik. Leipziger Universitätsmedizin im 19. Jahrhundert“ (www.ub.uni-leipzig.de/laborklinik) in der Bibliotheca Albertina, täglich geöffnet 10-18 Uhr.

Am 13. September, 15 Uhr findet eine öffentliche Führung statt. Durch die Ausstellung führt die Kuratorin, Prof. Ingrid Kästner.

 

Bild: Abbildung mit der Unterschrift „Sollen Thiere wie dieses lebendig zerschnitten werden dürfen?“ aus Webers Buch Die Folterkammern der Wissenschaft, Leipzig 1879, S. 29. Mit einer solchen „Vermenschlichung“ der Tiere, hier ein Mops mit Pfeife und Bierglas, sollte besonderer Abscheu gegen Tierexperimente erzeugt werden. UB Leipzig:anat_2686-r,S29

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